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In der kirchlichen und dekorativen Kunst, in Sprichwörtern, Redewendungen („Mein Täubchen“) und in der Dichtung verkörpert kaum ein Vogel die sinnliche Ausstrahlung des Kreatürlichen so sehr wie die Taube. In der kruden Realität sieht es anders aus: Kaum jemand möchte die Vögel wegen ihres mengenweise anfallenden, ätzenden Kotes in nächster Nähe haben, am wenigsten am Eigenheim.

Bunte Schar von Stadttauben bei ihrer Sommerfrische am Brunnen in der Fussgängerzone
Foto: Gerd Wellner


Eine lange Beziehung

Dennoch sei an dieser Stelle das lange, traditionsreiche Miteinander von Mensch und Taube erwähnt. Die Anfänge ihrer Domestikation dürften etwa mit denen des Schafes, des zweitältesten Haustieres nach dem Hund, zusammenfallen. Als die Menschen der jüngeren Altsteinzeit vor ca. 11.500 Jahren im Gebiet des heutigen Anatolien und Irak mit dem Getreide-Anbau begannen, haben sich die Tauben vermutlich als Körnerfresser in der Nähe der festen oder nur saisonal verlassenen Siedlungen aufgehalten. Während wilde Schafe bewusst gehalten und einzelne ihrer genetischen Merkmale durch Zuchtwahl allmählich verändert wurden, erfolgte die Haustierwer-dung der Felsentaube, der Wildform (Columbia livia) ähnlich der Gefolgschaft des Hundes wahr-scheinlich durch selbstständigen opportunistischen Anschluss an den Menschen.

  Foto: Gerd Wellner Foto: Gerd Wellner


Wie die Taube vom Kommensalen zum ständigen Mitbewohner wurde, veranschaulichen heute noch die aus Lehm gemauerten Tauben-Türme in Anatolien, Ägypten oder dem Iran. Es war am lukrativsten, sie in künstlichen Nisthöhlen anzusiedeln, um bequem an ihr Fleisch und ihre Eier zu kommen. Aber nicht in allen Kulturen, in denen Tauben eine Rolle spielten, lockte man sie als Nahrungslieferanten. So berichtet der amerikanische Forscher und Maler George Catlin, der 1837 das Gebiet des Oberen Missouri bereiste, dass die sioux-sprachigen Mandan einen Teil der vom Wintervorrat übriggebliebenen Maiskörner auf ihre kuppelförmigen Erdhaus-Dächer streuten, um den im Frühjahr durchziehenden Trauertauben eine Stärkung zu geben. Diese Vögel waren für die Indianer Frühjahrsboten und Botschafter der spirituellen Welt, ihre Fütterung eine Libation an den Kosmos.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg hatten Brieftauben unter höchster Lebensgefahr und unfreiwilligen Strapazen Nachrichten überbracht, die Leben gerettet haben – manche der fliegenden Melder wurden wie andere Kriegs-Tiere, vor allem Pferde und Hunde, sogar als Offiziere ausgezeichnet. In Friedenszeiten wird den gefiederten Friedenssymbolen heute der exaltierte Ehrgeiz der Tauben-sportler zum Verhängnis: Todesstrafe für Brieftauben, die den gewünschten Geschwindigkeitsrekord nicht auf die Millisekunde genau schaffen.

Vergrämung ja – aber schonend

Verwilderte Stadttauben sind die einzigen Gebäudebrüter, die nicht unter Schutz stehen. Dennoch sollte den Abwehrmaßnahmen auch ein gewisser Tierschutz-Gedanke zugrunde liegen; die Tauben sollen vergrämt, aber nicht unnötig gequält und verletzt, außerdem sollen die Vergrämungs-vorrichtungen nicht für andere, geschützte Tierarten zu Todesfallen werden.

Eisenstacheln sollten vermieden werden, da sie eine Verletzungsgefahr nicht nur für die Tauben, sondern auch für andere Vögel darstellen. Abgesehen davon beeinträchtigt diese starrende Armie-rung das ästhetische Äußere einer Fassade, eines Balkons oder eines Mauersimses, auch wenn der Geschmack natürlich von individueller Einstellung abhängt.

Eine bessere Maßnahme sind dünne, federnde Spanndrähte, die über den bevorzugten Lande-stellen der Tauben angebracht werden. Ihr federndes Nachgeben erschreckt die Vögel und hält sie davon ab, sich niederzulassen, ohne sie zu verletzen oder zu töten – eine aufgespießte Tauben-leiche verschönert den Anblick von Stacheln nicht gerade.

Tauben-Abwehrnetze sind ebenso wenig empfehlenswert wie Metallstacheln, da sich verschiedene Vögel, zum Beispiel von unten anfliegende Mauersegler, in ihnen verheddern, strangulieren oder nach Tagen verhungern können.
Eine bessere und kostengünstigere Methode ist das Bespannen von Dachbalken mit Drahtkörben. Sind diese weitmaschig genug, können kleinere Vögel wie der Spatz hindurchschlüpfen - und finden einen sicheren Brutplatz, an den keine Katze, kein Marder und keine Elster oder Krähe gelangt.

Wer ein Taubenküken in gelbem Dunenflaum auf einem Dachbalken oder Sims findet, sein durch-dringendes Piepsen nach Futter hört, die Eltern bei der selben Fürsorge beobachtet, die andere Vögel an die Aufzucht ihrer Brut verwenden, der sollte sich überlegen, ob er dies kleine Leben aus Ordnungssinn vernichtet oder die wenigen Wochen bis zu dessen Ausfliegen abwartet, um die Stelle anschließend auf sachgemäße Weise taubensicher zu machen. Ein freundlicher Messner hatte auf dem Turmboden eine aus unerklärlichen Gründen verlassene, vom Hunger geschwächte Jungtaube gefunden, die undichte Stelle in der Kuppel verschlossen und das Vogeljunge erfolg-reich großgezogen. Seine Begründung: „Das ist auch ein Lebewesen mit einem Kopf und einem Herzen.“

Die Angst vor Tauben sollte kein Argument gegen die geschützten Gebäudebrüter sein. Werden die Nisthilfen für die einzelnen Arten fachgerecht angebracht, besteht keine Gefahr, dass sich statt-dessen Tauben in ihnen einquartieren:


Taubenfüttern im Park

Was viele Menschen nicht wahrhaben wollen: Die unterlassene Taubenfütterung ist eine der wirk-samsten Maßnahmen für ein erträgliches Leben auch mit Tauben. Die domestizierten Verwandten der Felsentaube ernähren sich von Wildsämereien und grünen Pflanzenteilen, die sie auf weiten Futterflügen von den Feldern außerhalb der Städte finden. Letztendes sind sie auf menschliche Almosen nicht zwingend angewiesen.

In manchen Städten erhalten die Tauben im Rahmen eines Tierschutzprojektes kontrollierte artge-rechte Fütterungen, wogegen das willkürliche Futterausstreuen durch die Bevölkerung mit Geld-strafen belegt wird. Unangemessene Kost wie Brotkrumen stört das Verdauungssystem der Vögel, mit ein Grund für den übermäßigen Taubenschiss!

Auf keinen Fall sollte mit Sterilisationsmitteln versetztes Spezialfutter zur Geburtenkontrolle einge-setzt werden, da dies zu Unfruchtbarkeit auch bei Spatzen und Grünfinken führt.


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